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Der Oberammergauer Studienkreis Hinterglasmalerei
2007 wurde in Oberammergau im Pilatushaus die Ausstellung der Hinterglas-bilder des Oberammergau Museums eröffnet. Aus dem Bestand von über 1000 Hinterglasbildern wird dort eine Auswahl von ca. 250 Bildern gezeigt, die die Hinterglasmalerei in Oberbayern, Schwaben, im Bayerischen Wald und der Oberpfalz sowie in Oberösterreich, Süd- und Westböhmen anschaulich vorstellt. Bei der Eröffnung der Ausstellung zeigte sich ein starkes Interesse an diesen Thema bei den an der Volkskunde, der sakralen Kunst und der Heimatgeschichte interessierten Besucher. Zugleich wurde bei dieser Gelegenheit auch deutlich, dass die oberbayerische Hinterglasmalerei, also die Arbeiten aus Oberammergau, Murnau, Seehausen und Uffing kaum erforscht ist, so dass nur sehr unsichere Angaben zur genaueren Herstellungszeit und zu den Werkstät-ten, aus denen die Bilder kamen, vorliegen. So entstand der Oberammergauer Studienkreis Hinterglasmalerei mit dem Ziel Informationen zur oberbayerischen Hinterglasmalerei zu sammeln, die Literatur zur Hinterglasmalerei zu erfassen und zu beschaffen, Biographien der Hinterglasmaler zu erarbeiten, und die aus der inzwischen auf über 6000 erfasste Hinterglasbilder angewachsenen Daten-bank Detaildatenbanken zu den Schriftarten, Kartuschen, Stilmerkmalen, Rahmen usw. zu erarbeiten. . In diesem Studienkreis Hinterglasmalerei kann jeder an diesem Gebiet tätig werden. Informationen sind über info(at)hinterglasforschung.de zu erhalten.
Durch die enge Verbindung des Studienkreises mit dem Oberammergau Museum waren hervorragende Voraussetzungen für diese Aufgabe geschaffen: Das Oberammergau Museum besitzt über 1000 Hinterglasbilder, die zusammen mit den Bildern von Museen, mit denen eine enge Zusammenarbeit besteht, ein beachtlicher Grundstock an zu bearbeitendem material vorhanden ist. Inzwischen wurden aus über 1000 Museen über 5000 weitere Hinterglasbilder in einer Datenbank erfasst, wodurch ein direkter Zugriff auf Vergleichsobjekte in anderen Museen möglich ist. Das Oberammergau verfügt über eine Sammlung von über 100 originalen Rissen, sowie über 1000 weitere Kopien von Vorlagen oberbayerischer Hinterglasmalereien. Als Vergleichsmaterial steht auch eine Sammlung von ca. 2500 Kopien von Andachtsbildern zur Verfügung. Das Oberammergau Museum besitzt eine Spezialbibliothek zur Hinterglasmalerei mit allen wichtigen Fachbüchern zu diesem Thema sowie über mehrere Hundert Kopien und Sonderdrucke von Zeitschriftenveröffentlichungen, die die historische Entwicklung der Forschung zur Hinterglasmalerei widerspiegelt und die Inventare von Sammlungen erschließt, die bisher noch nicht in die Datenbank des Studienkreises aufgenommen wurden. Der Studienkreis hat die Möglichkeit Materialanalysen am Glas, den Pigmenten und Bindemitteln von Hinterglasbildern unentgeltlich durchführen zu lassen, woraus sich wichtige Erkenntnisse zu genaueren Bestimmung von Herkunft und Alter der Bilder ergeben.
Inzwischen wurden umfassende Dokumentationen zu folgenden Teilgebieten erstellt:
Eine Dokumentation a. der in den bisher erfassten über 100 Sammlungen vorhandenen Hinterglasbilder von Oberammergau, Murnau, Seehausen und Uffing, b. der Regionen, in der die die in den weiteren Zentren der Hinterglasmalerei hergestellten Bilder nach Herkunftsgebieten geordnet sind, so dass damit z.B. alle in Sandl, Raimundsreut, im Schwarzwald oder in Italien hergestellten Bilder enthalten sind c. der Motive, in der die Bilder nach Darstellungen geordnet sind, so dass daraus Informationen über alle erfassten Varianten von Marienbildern oder von Heiligendarstellungen erhalten werden können d. aller Schrifttypen, die auf Hinterglasbildern vorkommen, da sie zuverlässige Rückschlüsse auf den Maler oder eine Werkstatt möglich machen e. der vielfältigen Kartuschenformen oberbayerischer und ostbayerischer Bilder f. der Rahmen, die aller Arten von Rahmen erfasst g. der Stilmerkmale in der charakteristische Darstellungsformen, etwa die Art der Zeichnung von Gesichtern oder Heiligenscheinen dokumentiert werden, h. der Materialien, in der Informationen über die Zusammensetzung der Glasscheiben, der Pigmente und Bindemittel der Hinterglasbilder gesammelt werden.
Die Ziele dieser Dokumentation sind in zwei Zeitschriftenaufsätzen veröffentlicht: J.Riederer: Hinterglasbilder – neue Initiativen zu ihrer Dokumentation. Museum heute 34 (2008) 61 – 64 J.Riederer: Schriftarten und Kartuschentypen zur Zuordnung von Hinterglasmalereien. Bild – Druck – Papier 13 (2009)
Zu den Vorlagen von Hinterglasbildern erschien: J.Riederer: Graphische Vorlagen von Hinterglasmalereien. Bild – Druck – Papier 14 (2010)
Über die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kernchemie der Universität Mainz durchgeführten Analysen an Gläsern von Hinterglasbildern gibt es einen veröffentlichten Tagungsbeitrag: I.Conejos Sánchez, G.Hampel, St. Zauner und J.Riederer: Reverse paintings on glass – A new approach for dating and localization. Applied radiation and isotopes (2009) 2113 – 2116
An Sammlungsbeständen wurden bisher die Hinterglasbilder des Pollinger Museums bearbeitet: J. Riederer: Die Hinterglasmalereien im Museum Polling. Polling 2009, 39 Seiten, 53 Farbabbildungen
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