
Röntgenfluoreszenzanalysen an Pigmenten von Hinterglasmalereien am Rathgen – Forschungslabor in Berlin
Bei der Röntgenfluoreszenzanalyse wird die zu analysierende Stelle, bei den Hinterglasmalereien also eine einheitlich gefärbte Fläche, mit Röntgenstrahlen bestrahlt, um aus einer in den Pigmenten erzeugten Sekundärstrahlung die vorhandenen chemischen Elemente zu bestimmen. Auf diese Weise können die anorganischen Pigmente der Hinterglasmalerei ohne Beeinträchtigung der Malerei eindeutig bestimmt werden. Da im 18. / 19. Jahrhundert neue Pigmente in großer Zahl entwickelt wurden, gelingt es mit dieser Methode festzustellen, wann eine Hinterglasmalerei frühestens hergestellt worden zu sein und zweitens ist es möglich die Palette einzelner Maler oder Werkstätten zu rekonstruieren. Bisher wurde eine größere Serie von Hinterglasmalereien des Oberammergau Museums mit diesem Verfahren untersucht, wobei die uneingeschränkte Brauchbarkeit dieses Verfahrens und die Bedeutung der gewonnenen Analysenergebnisse bestätigt wurde.

Im Rahmen einer Diplomarbeit wurden am Institut für Kernchemie der Universität Mainz Gläser von Hinterglasmalereien des Oberammergau Museums mit Hilfe der Neutronenaktivierungsanalyse untersucht. Für die Analysen wurden acht Objekte aus dem Raum Oberammergau / Staffelsee, vier Objekte aus Raimundsreut / Außergefild, vier Objekte aus Buchers / Sandl, zwei aus Schlesien, eines aus Augsburg und eines aus Südtirol ausgewählt. Von den Gläsern wurden insgesamt 14 chemische Elemente quantitativ bestimmt. Ziel der Untersuchungen war es, erst einmal festzustellen, ob sich Gläser von Hinterglasmalereien überhaupt so in ihrer Zusammensetzung unterscheiden, dass man versuchen kann, Beziehungen zwischen Ort und Zeit der Herstellung des Glases und der Zusammensetzung erkennen kann. Tatsächlich variieren die Zusammensetzungen der Gläser in weiten Grenzen. Besonders auffallend sind Unterschiede im Kalium- und Natiumgehalt, so dass es gelingt, die frühen, vor 1860 mit Pottasche (Kaliumkarbonat) hergestellten Gläser von den späteren, nach der Erfindung der künstlichen Soda (Natriumkarbonat) -gewinnung hergestellten Gläser zu unterscheiden. Weiter wurden deutliche Unterschiede bei den Gehalten an Zirkonium und Titan erkannt. Dadurch lassen sich Gläser verschiedener Herkunft unterscheiden. Das Glas früher Bilder aus Oberammergau oder den Staffelseeorten sind besonders reich an diesen Elementen, da es aus Quarzsand hergestellt wurde, der durch Schwermineralien in der Art von Zirkon, Rutil, Titanit verunreinigt ist, die diese Elemente mit in das Glas bringen. Das Glas von Hinterglasbildern aus Ostbayern enthält kein nachweisbares Zirkonium oder Titan, da es aus dem sehr reinen Quarz von Quarzgängen in den Gneisen und Graniten des Bayerischen Waldes gewonnen wurde.
Die gemeinsame Betrachtung aller analytisch bestimmten Elemente ermöglicht eine präzise Charakterisierung der Glassorten, die zur Herstellung von Hinterglasmalereien verwendet wurden.
Dendrochronologie ist das Verfahren der Altersbestimmung von Holz, bei dem durch das Ausmessen der Breite der Jahresringe und dem Vergleich mit vorhandenen Chronologien das Fälldatum des Holzes bestimmt werden kann. Für die Hinterglasmalerei bietet sich dieses Verfahren für die Bestimmung des Alters der rückseitigen Deckbrettchen an, da man davon ausgehen kann, dass es von einem Baum stammt, der ungefähr zur Zeit der Herstellung der Malerei gefällt wurde. Zur Datierung von Streichinstrumenten ist dies ein gängiges Verfahren, da die Decken immer aus Nadelholz hergestellt sind, das sich wegen der guten Ausbildung der Jahresringe besonders für dieses Verfahren der Altersbestimmung eignet. Erste Versuche, das Alter von Deckbrettchen Oberammergauer Glasmalereien nach diesem Verfahren zu bestimmen, stießen aber auf die Schwierigkeit, dass die auszumessenden Jahresringe auf Grund der Wachstumsbedingungen der Fichten im Gebirgswald erstens sehr eng und zweites über viele Jahre gleichmäßig ist, so dass es oft nicht gelingt, eine charakteristische Abfolge besonders schmaler oder breiter Jahresringe zu finden, die zur Einordnung in schon vorhandene Chronologien verwendet werden können. Weiter ist eine Grundvoraussetzung für die Dendrochronologie nicht gegeben, nämlich das Vorhandensein der so genannten Waldkante, also der jüngsten Jahrringe am Überganz zur Rinde, deren Alter das Fälldatum wiedergibt. Hier wird erst eine größere Serie von Messungen Klarheit bringen, ob dieses Verfahren geeignet ist, das Alter von Hinterglasmalereien zu bestimmen.
Interessant ist die Dendrochronologie auch im Zusammenhang mit Herkunftsfragen. Da die Abfolge der Jahrringbreiten vom regionalen Klima abhängt, lassen sich Hölzer aus verschiedenen Wachstumsregionen unterscheiden. Hölzer, die am Alpenrand gewachsen sind, unterscheiden sich in diesem Punkt deutlich von Hölzern aus dem Klimabereich der Mittelgebirge, so dass sich auch hier ein Ansatzpunkt bei Fragen zur regionalen Herkunft bieten könnte.